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Vorurteile als Studienfach

Stiftung Dialog der Generationen koordiniert Peter Ustinov Universitätsinstitute für Vorurteilsforschung

Sir Peter Ustinov, Dr. Thomas Druyen, Igor Ustinov

Sir Peter Ustinov, zweifacher Oscar-Preisträger und dienstältester UNICEF-Botschafter, fügt seinem Lebenswerk durch die Ustinov Institute und den Aufbau eines internationalen Uni-versitätsnetzwerkes zur Erforschung der Bedeutung von Vorurteilen eine weitere vorbildliche Facette hinzu. In Anbetracht der globalen politischen und kulturellen Ereignisse dokumentiert Sir Peters Initiative die notwendige Bereitschaft, sich konstruktiv und kollegial mit anderen Kulturen und Überzeugungen auseinander zu setzen. Nach wie vor bilden dabei Vorurteile Demarkationslinien der Negativität, die es zu überwinden gilt.

Um jedoch Vorurteile zu überwinden, müssen wir erst einmal ihre Herkunft, ihre Dynamik und ihre Bedeutung verstehen. Da sie zumeist unbewusst und unreflektiert gebraucht werden, ist es nicht leicht sie zu identifizieren. Will man Vorurteile aufspüren, so muss man primär ihr Wesen näher untersuchen um seismographisch den Vorurteilsgehalt zu erarbeiten. Vor-urteile sind vorgefasste Urteile über Menschen, Objekte, Verhaltensweisen oder Ideen, die von positiven oder negativen Gefühlen begleitet werden, einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit formulieren und sich auch bei der Kollision mit der Wirklichkeit gegen eine Berichtigung sträuben. Da fast alle Urteile die subjektive Sichtweise des Urteilenden wiedergeben und Verall-gemeinerungen enthalten, ist in fast jedem Urteil ein vorurteilshaftes Moment enthalten.

Um diesem Phänomen nun wirklich auf die Spur zu kommen, soll nach Willen von Sir Peter und seinen Mistreitern Vorurteilsforschung als Studienfach etabliert werden. Und dies an möglichst vielen Universitäten in möglichst vielen Ländern. Die Vision ist eine Bibliothek der Vorurteile, die ihr Entstehen und ihre Wirkung in den unterschiedlichsten Kulturen dokumentiert.

Den Anfang machte das Peter Ustinov Zentrum an der Universität für Technologie und Ökonomie in Budapest, das am 8. November 2001 seinen Forschungsbetrieb aufge-nommen hat. Das Zentrum widmet sich der Erforschung von Vorurteilen in den Gesellschaften und Religionen und ihrer Mechanismen, etwa in der Politik, der Verwaltung, im öffentlichen Leben und dem Journalismus. Es bietet einen 6-semestrigen Studiengang mit Vor-lesungen, bzw. Seminare für Studierende der Geschichte, Sozio-logie, Psychologie, Wirtschafts-wissenschaften, der Religion und der Philosophie. Darüber hinaus widmet es sich der Analyse von Vorurteilen hinsichtlich aktueller Ereignisse und Krisen, um mit den gewonnenen Erkenntnissen die Dialogfähigkeit von zukünftigen Entscheidungsträgern und -trägerinnen zu unterstützen und zu fördern. Internationale Konferenzen zu verwandten Themen runden das Angebot ab.

Sir Peter sagt zu seinen Beweggründen:
„Das Vorurteil ist nach Jahrhunderten im Untergrund als Maulwurf in unserer Mitte identifiziert worden. Es ist identifiziert worden als einer der großen Schurken in der Besetzungsliste der Geschichte. Es ist verantwortlich für die Missverständnisse zwischen Nationen und Religionen, die anders sind, als die eigene, genauso wie für die unkritische Lobpreisung der eigenen Religion und Nation. Es benutzt die blanke Unkenntnis als Waffe.“

Das Ustinov Center in Budapest, dessen Leitung Professor Jószef Veress vom Institut für Wirtschaft übernommen hat, ist der erste Knoten in einem Netzwerk, das mit der Zeit so viele Institute wie möglich umspannen soll. Universitäten in Nordamerika, Osteuropa und Asien haben bereits ihr Interesse für ähnliche Einrichtungen bekundet. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf osteuropäische Länder gelegt.

Ein weiteres Institut an der Universität Durham, an der Sir Peter seit zehn Jahren Kanzler ist, arbeitet mit renommierten Wissenschaftlern an einem interdisziplinären Konzept zur Vorurteilsforschung. Ebenso steht eine umfassende Kooperation mit der Universität Wien und anderen europäischen Hauptstadtuniversitäten kurz vor dem Abschluss. Am Ende soll es an vielen Plätzen in der Welt Vorurteilsinstitute geben, die die kulturellen Differenzen in den Blick nehmen um zu einer gemeinsamen Perspektive zu führen. Am 30. Mai 2002 versprach Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Unterstützung und stellte das Projekt „Vorurteil als Studienfach“ der breiten Öffentlichkeit vor. Ebenso ist die Unterstützung der europäischen Union und der Vereinten Nationen Sir Peter zugesagt worden.

Die Verantwortung für den Auf- und Ausbau des Netzwerkes tragen neben Sir Peter Ustinov sein Sohn Igor, Künstler und Bildhauer aus Paris sowie Hon.-Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der Stiftung Dialog der Generationen, dem zudem die wissenschaftliche Gesamtleitung obliegt.

 

 

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