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Die Stiftung Dialog der Generationen wurde im Jahre 1999 gegründet. Mit Stolz dürfen wir heute sagen, dass sich im Verlauf der Jahre, die damalige Zielsetzung einer Verbesserung der generationenübergreifenden Beziehungen und der Schaffung eines positiven Altersbildes als visionär erwiesen hat. Heute steht unser Thema ganz oben auf der gesellschaftlichen und publizistischen Agenda, ohne allerdings zu verkennen, dass der Weg noch weit ist. Es gibt keinen Zweifel, dass das Verständnis der Generationenbeziehungen auf unabsehbare Zeit ein herausragendes Nadelöhr des gesellschaftlichen Wandels und im Brennpunkt unserer Anstrengungen bleiben wird.

Die pragmatische Tätigkeit der Stiftung war in den letzten Jahren im Wesentlichen auf drei Themenfelder ausgerichtet: Förderung eines wissenschaftlichen Bewusstseins für die Strukturen des Generationendialogs, Transformation des Altersbildes vom Vorurteil zum Wertbegriff und schließlich die Übernahme von Schirmherrschaften für zukunftsweisende Projekte, die konkret das Verhältnis der unterschiedlichen Altersgruppen verbessern helfen.

Ein herausragendes Projekt war die auf fünf Jahre ausgerichtete Förderung und Kooperation mit dem Institut für den Dialog der Generationen an der Universität Györ in Ungarn. Aus persönlichen Kontakten und Begegnungen mit Repräsentanten dieser europäischen Hochschule im Dreiländereck ergab sich seinerzeit sehr schnell die Bereitschaft ein intergeneratives Lehrangebot aufzubauen. Wir haben uns für das Projekt mit den ungarischen Kollegen entschieden, da sowohl die Bereitschaft 1999 dieses Thema anzugehen wirklich außergewöhnlich war als auch um die europäische Dimension des demografischen Wandels frühzeitig in den Blick zu nehmen.

In neun Semestern - bis zum Jahre 2004 - wurde die theoretische und reale Seite des Generationendialogs mit Studenten dieser Universität untersucht und in drei ungarischen und zwei deutschen Dokumentationen publiziert. Die Seminare wurden je nach Sprachkompetenz in ungarischer, deutscher und englischer Sprache abgehalten und erfreuten sich hervorragender Resonanz. Neben der Vermittlung von generationssoziologischen Grundkenntnissen ging es um eine praktische Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Ebenso wurde ein Überblick erarbeitet, wie sich die Altersbilder in den Medien, in der Politik, in den Familien und in der Literatur präsentierten. Insgesamt haben wir in dieser Kooperation eine große fachspezifische Bereicherung erfahren und das Wissen über den demographischen Wandel verbessert.

Unser zweiter zentraler Themenkomplex zielte auf die weitere Etablierung eines positiven und zeitgemäßen Altersbewusstseins. Diese Idee entsprach der Gründungsmotivation dieser Stiftung und hatte ihr lebendiges Vorbild im langjährigen Ehrenpräsidenten Sir Peter Ustinov. Durch die enge Zusammenarbeit des Stiftungsgründers Thomas Druyen mit dem einzigartigen Weltbürger war sehr deutlich geworden, dass es Persönlichkeiten gibt, die ungeachtet ihres Alters von allen Generationen für ihre Weisheit, ihren Humor und ihren Charakter geschätzt und verehrt werden. Dieses leuchtende Beispiel gelungener Akzeptanz zwischen den unterschiedlichsten Generationen wurde zum Zukunftsmodell eines neuen Altersbildes, das für die Wahrnehmung der wachsenden Zahl älterer Menschen im Zuge der demografischen Entwicklung Orientierung geben konnte und kann.

Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Sir Peter geholfen seine prägende Vorurteilsforschung an den Universitäten Wien und Budapest zu etablieren und ihrerseits den Aspekt der Altersvorurteile untersucht. In Gesprächen, Diskussionen und Veranstaltungen haben wir auf die unhaltbaren Widersprüche zwischen steigender Alterspopulation und sinkenden Arbeitsangeboten, zwischen historisch bedeutsamer Lebensverlängerung und der Ignoranz reifer Kompetenzen sowie zwischen Jugendwahn und Babymangel nachhaltig hingewiesen. Wir kooperierten mit der Bundesarbeitsgemeinschaft deutscher Seniorenorganisationen und vielen anderen themenverwandten Institutionen, um das Bewusstsein zu schärfen, dass nur in der Würdigung und Integration des Alters auch die Verantwortung und Akzeptanz der eigenen zukünftigen Entwicklung liegen wird.

Der dritte Baustein unserer Tätigkeit war die Übernahme von Paten- und Schirmherrschaften für diejenigen Projekte, die den Geist der Generationen atmen und in beispielgebender Weise vorleben. So wie das „FlintCenter“ in Bad Tölz, einem Wirtschafts- und Technologiezentrum mit dem Forum der Generationen in seiner Mitte. Dort wurde auf einer Fläche von rund 5.600 qm gerontologische Forschung und Entwicklung, Handel und Dienstleistung sowie Lehre und Bildung zukunftsweisend miteinander verknüpft. Unsere Schirmherrschaft äußerte sich vor allem in der Mitwirkung bei verschiedenen Generationenkongressen, in denen das neue Altersbild, die alternden Belegschaften sowie Märkte und Marken im Generationenwandel tiefgehender beleuchtet wurden.

Dieses Zusammenwirken und das authentische Erleben einer herausragenden Integrationsfähigkeit zwischen Landesregierung, Landrat, Bürgermeister, Wissenschaftseinrichtungen, innovativen Unternehmen und einem dichten Netzwerk von weiteren Kooperationspartnern hat bewiesen, daß der gelungene Dialog der Generationen weder Illusion noch ein Papiertiger ist, sondern das Ergebnis mutigen und fortschrittlichen Handelns. Ebenso wurde deutlich, dass zeitgemäße, intergenerative Aktivitäten, die nicht auf vergleichbare historische Modelle zurückgreifen können, von entscheidungswilligen und charakterstarken Persönlichkeiten in allen Lebensaltern abhängig sind. Insofern wurde uns in diesem und in vielen anderen Projekten sehr deutlich vor Augen geführt, dass die zukünftige Qualität der Generationsbeziehungen kein sozialpolitisches und gesellschaftliches Wunschbild ist, sondern die pragmatische Grundlage unserer Überlebensfähigkeit.

Neben der Umsetzung dieses Generationennetzwerkes hat die Stiftung zum Beispiel auch die themenbezogene Schirmherrschaft für die Bundesgartenschau in München übernommen. Wir wirkten an einer Vielzahl von Veranstaltungen mit, um den erwarteten vier Millionen Besuchern die Tragweite und die Chance des Generationendialoges anschaulich zu machen. Unser Vorstand und Mitglieder des Kuratoriums waren bei unterschiedlichen Anlässen präsent. Den Höhepunkt bildete aus unserer Sicht eine große öffentlichkeitswirksame Veranstaltung, auf der wir ein Manifest für ein besseres Miteinander der Generationen präsentierten. Insgesamt wollten wir frei nach Theodor Fontane dazu beitragen, das Alte zu lieben und das Neue zu leben. 

Nach sechs Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit von Kuratorium, Vorstand und Geschäftsführung und einiger erfolgreicher Projekte bedurfte es einer selbstkritischen Zwischenbilanz. Im Unterschied zum Gründungsjahr 1999 hatte sich der Kenntnisstand der Öffentlichkeit über den demografischen Wandel nachhaltig verbessert. Eindeutige Belege waren nicht zuletzt Frank Schirrmachers „Methusalem Komplott“ als publizistisches Dauerhighlight und Thomas Druyens „Olymp des Lebens“ als eines der wenigen Monumente positiver Alterswürdigung. Aber die tatsächlichen Chancen einer positiven Beziehung zwischen den Generationen schienen keineswegs schon Allgemeingut zu sein.

Es stellte sich somit die Frage, wie wir die Ressourcen, Erfahrungen und Fähigkeiten aller Altersgruppen unserer Gesellschaften identifizieren und gemeinsam nutzbar machen könnten? Wie wäre es erreichbar, die Schätze des Wissens und die Gestaltungskraft des Reichtums für eine kulturelle Neubesinnung in Anspruch zu nehmen? Offensichtlich fehlte eine Vision, wie wir die neue Konstellation der Generationen zum Vorteil aller umsetzen können. Diese Herausforderung machten wir im Jahre 2005 zum erweiterten Stiftungszweck. Als theoretische Grundlage nutzten wir die von unserem Gründer Thomas Druyen entwickelte Philosophie der Vermögenskultur. Diese Vermögenskultur bezweckte kurz gesagt die Förderung und Pflege von materiellen und immateriellen Werten, von Beziehungen und Netzwerken zum Schutze der individuellen, familiären und gesellschaftlichen Zukunftsgestaltung.

Der Transfer von Vermögen in seiner vielfältigen Bedeutung als Besitz, als Freiheit, als Erfahrung, als Fähigkeit und als Wille steht im Zentrum eines zukünftigen Dialogs der Generationen. Die Tatsache, dass wir immer länger leben und die Zahl der Älteren weiter wächst, ist eine großartige und historisch einmalige Errungenschaft. Die Entwicklung nachlassender Geburtenzahlen bei der einheimischen Bevölkerung und der Anstieg multikultureller Zuwanderung ist jedoch unsere eigentliche Herausforderung, der wir uns intelligent und kreativ stellen müssen. Die Verantwortung der älteren Generationen für diese neue Jugend verlangt eine Veränderung enger und ängstlicher Lebenseinstellungen. Insofern muss Vermögen zielgerichtet eingesetzt werden, um eine neue Architektur unserer Lebensverhältnisse zu erreichen.

Bei dieser Überarbeitung unserer Gesellschaftsstruktur spielen Großzügigkeit, Gemeinnützigkeit, Philanthropie, Sozialunternehmertum und Ethik eine herausragende Rolle. Vor allem der Klientel der Vermögenden obliegt eine wichtige Gestaltungsfunktion. Leider bleiben bei der Praxis des guten Tuns oftmals professionelle und unternehmerische Gewissheiten unberücksichtigt. Deshalb erschien es zwingend notwendig, den gesamten Bereich des privaten Helfens und Stiftens und auch die Mentalität und Haltung der Stiftenden selbst einmal wissenschaftlich zu ergründen. Dieser Form der bisher weitgehend unbearbeiteten Vermögensforschung haben wir uns als Stiftung verschrieben. Wenn es gelingt, über innovative Forschungsergebnisse zu neuen Projekten und Netzwerken zu gelangen, die das Miteinander der Generationen befördern, haben wir viel erreicht. Die Jugend braucht unser aller Vermögen, um ihre Zukunft fair und gerecht gestalten zu können.

Mit der Umsetzung dieser Aufgabe haben wir im Jahre 2006 begonnen. Die Stiftung finanzierte das erste Forum für Vermögensforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Zentrum seiner Aufgaben steht die Studie „Vermögen in Deutschland“, der ersten flächendeckenden Erhebung über Einstellungen zu philanthropischem Engagement. Im Jahre 2007 wurde bereits ein Kongress durchgeführt, um die sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven der Vermögensforschung auch mit Vertretern anderer Disziplinen wie der Nationalökonomie, den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie, der Verhaltensökonomie usw. abzugleichen. Ein weiteres Institut an der Universität Potsdam ist bereits im Aufbau begriffen. Es ist unser Ziel für die nächsten Jahre weitere Einrichtungen für Vermögensforschung an großen Universitäten in Europa zu etablieren.

Dieses Netzwerk für Vermögenskultur soll einen Nukleus bilden, um Brücken zu bauen zwischen vermögenden Familien, vorbildlichen Persönlichkeiten und herausragenden jungen Talenten, deren Potential zu fördern ist. Mit diesen Aktivitäten wollen wir dem Dialog der Generationen eine wissenschaftliche und beziehungsreiche Grundlage schaffen, um die Bereitschaft ethischen Handelns systematisch zu erhöhen.

 

Prof. Dr. Thomas Druyen, 2008

 

 

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